Unsere Teilnehmer

Sie oder Ihr Angehöriger leidet an einer Erkrankung des Gehirns, welche dauerhafte Schädigungen verursacht hat. Eine solche chronische neurologische Erkrankung bedeutet eine ungeheure Veränderung in Ihrem Leben. Im Falle eines Schlaganfalls, einer Hirnblutung oder eines Schädel-Hirn-Traumas etwa durch einen Unfall wird innerhalb von einer Minute das gesamte bisherige Leben im wahrsten Sinne auf den Kopf gestellt. Nichts ist mehr wie es vorher war.

Auch wenn die Krankheit langsam voranschreitet – wie etwa im Falle der Parkinson Erkrankung, MS oder anderer Krankheiten – wird der Betroffene und seine Umgebung ständig mit neuen Verschlechterungen konfrontiert. Dies bedeutet eine enorme Belastung für alle Beteiligten und es dauert oft Jahre, bis man lernt, sich und sein Leben darauf einzustellen.

Eine neurologische Erkrankung stellt das ganze bisherige Leben auf den Kopf.

MRT-Scan des SchädelsDie Erkrankungen unterscheiden sich wesentlich in ihrem Verlauf: Bei einer gefäßbedingten Erkrankung wie dem Schlaganfall oder einer Hirnblutung und bei einem Schädel-Hirn-Trauma treten in der akuten Phase ausgeprägte Symptome auf, die sich dann in der sogenannten Remissionsphase (Rückbildungsphase) teilweise zurückbilden können, gefolgt von einer chronischen Phase, in der nur noch langsame Verbesserungen erzielt werden. Fortschreitende Erkrankungen zeigen dagegen einen fortschreitenden Verlauf, in dem die Symptome kontinuierlich oder – wie häufig im Falle der Multiplen Sklerose schubweise – verschlechtern.

Fundierte Informationen über Symptomatik und Verlauf der Erkrankung, eine gründliche Diagnostik sowie eine individuelle Beratung können helfen, mit der Situation umzugehen und notwendige Maßnahmen zu ergreifen. Dies gilt auch für die Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen. Trotz unterschiedlicher Krankheitsverläufe ist eine an die jeweilige Störung angepasste Sprach-, Sprech- und Schlucktherapie in fast allen Fällen sinnvoll und hilfreich.

Ursachen neurogener Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen

Man unterscheidet zwischen einer gestörten Blutversorgung des Gehirns, einer Hirnschädigung durch äußere Einwirkung und Störungen durch fortschreitende Erkrankungen des Zentralen Nervensystems.

Beeinträchtigungen der Sprache und des Sprechens

Als Akademische Sprachtherapeutin habe ich mich auf die Behandlung von folgenden Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen spezialisiert, die infolge neurologischer Erkrankungen auftreten:

  • Sprachstörungen / Aphasien
  • Sprechplanungsstörung / Sprechapraxie
  • Sprechstörungen / Dysarthrien
  • Schluckstörungen / Dysphagien
  • Gesichtslähmungen / Fazialisparesen

Abhängig vom Ort und der Art der Hirnschädigung können diese Störungsbilder ganz unterschiedlich aussehen. Es ist notwendig, sie anhand von einigen Merkmalen auseinander zu halten, da sie verschiedene Behandlungen erfordern. Die folgende Übersicht soll Ihnen die Unterschiede verdeutlichen.

Man unterscheidet Sprach- und Sprechstörungen.

Sprachstörung / Aphasie

  • Zentrale Störung der Fähigkeit, Sprache zu verarbeiten
  • Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben betroffen
  • Hirnschädigung: meist im Cortex (Großhirnrinde) des Gehirns, fast immer in der linken Hirnhälfte lokalisiert
  • Ursachen: meist Schlaganfall, Hirnblutung, Schädel-Hirn-Trauma, selten Tumore u.a.
  • Unterformen: globale Aphasie, Broca-Aphasie, Wernicke-Aphasie, Amnestische Aphasie, Restaphasie u.a.
Lesen Sie mehr über: Sprachstörung / Aphasie

Sprechstörung / Dysarthrie

  • Motorische Störung bei den ausführenden Bewegungen des Sprechens
  • Nur Sprechen betroffen in den Bereichen Sprechatmung – Stimmgebung – Aussprache – Sprechmelodie/-rhythmus
  • Hirnschädigung: an verschiedenen Stellen im Gehirn: Großhirnrinde, Kleinhirn, Basalganglien, Hirnstamm etc.
  • Vielfältige Ursachen: Schädel-Hirn-Trauma, Schlaganfall, degenerative Erkrankungen wie Parkinson, MS, ALS, Ataxien u.a.
  • Unterformen: hypotone, hypertone, spastische, ataktische, hypokinetische Dysarthrie und Mischformen
Lesen Sie mehr über: Sprechstörung / Dysarthrie

‚Dazwischen‘ liegt eine weitere Erkrankung, die nur das Sprechen betrifft, jedoch über eine Störung der reinen Sprechmotorik hinausgeht: die Sprechapraxie.

Sprechplanungsstörung / Sprechapraxie

  • Zentrale Störung der Fähigkeit, die Artikulation von Sprachlauten korrekt zu planen
  • Nur Sprechen betroffen
  • Verstehen, Lesen und Schreiben ungestört
  • Hirnschädigung: im Schädel- bzw. Stirnlappen des Cortex (Großhirnrinde) der linken Gehirnhälfte, sog. Inselkortex, mit den Verbindungen zu tieferen Hirnregionen
  • Ursachen: meist Schlaganfall oder Hirnblutung, seltener Schädel-Hirn-Trauma, Tumor, entzündlicher Prozess
  • Tritt häufig zusammen mit einer Aphasie auf

Kommt es im Zusammenhang mit der neurologischen Erkrankung auch zu einer Störung der Nahrungsaufnahme, spricht man von einer neurogenen Schluckstörung.

Neurogene Schluckstörung / Dysphagie

  • Störung der Nahrungsaufnahme durch beeinträchtigte Funktionen im Mund-, Rachen- und Kehlkopfbereich
  • Ursachen: Hirninfarkt, Schädel-Hirn-Trauma, fortschreitende Erkrankungen
  • Hirnschädigung: vorallem im Hirnstamm (Pons, Medulla oblongata) aber auch Großhirnrinde (Kortex)
  • Größte Gefahr: Aspiration, d.i. Eintritt von Nahrung und Sekret in die tiefen Atemwege
  • Tritt häufig zusammen mit einer Dysarthrie auf